Was lebt denn da in unserem Bach? Teil 2!

Der Fisch, war nicht weit von ihr entfernt, sie hätte einfach die Hand nach ihm ausstrecken können. Aber irgendetwas hielt Lisa davon ab. Fasziniert starrt sie den Kleinen an. Ein paar Blubber-Blasen stiegen aus dem Fischmund auf und Lisa hörte seine Stimme: „Wer bist du?“ fragte der kleine Fisch. „Wer bin ich? Wer bist du? Warum bin ich hier…Moment mal! Warum kann ich dich verstehen?“ Da fing der kleine Fisch an zu lachen. Lisa schaute ihn nur verblüfft an. „Ich bin Filo! Ich wohne hier unter Wasser. Wo du allerdings herkommst weiß ich nicht. Kann man da wo du herkommst nicht miteinander reden?“, gab der kleine Fisch Filo von sich. „Doch, aber nicht mit Fischen!“ antwortete Lisa schnell, „Ich bin Lisa und ich war gerade noch mit meiner Freundin Lea unterwegs und wir waren am Bach und dann hab ich ein Licht gesehen und auf einmal war ich hier und dann kamst du!“ Filo war erstaunt. Er hatte noch nie einen Menschen in seinem Wasser gesehen. Und dazu noch ein Mädchen, was so schnell redet. Er schwamm sogar ein kleines Stück nach Hinten vor Schreck. „Du redest aber ganz schön schnell. Das gefällt mir! Soll ich dir zeigen, wo ich wohne?“ „Wo du wohnst? Du wohnst nicht hier, wo wir beide gerade schwimmen? …Wo wir schwimmen, das klingt so komisch…“ Filo schüttelte den Fischkopf und antwortete: „Ich wohne in einem kleinen bunten Steinbau, der ist ein paar Flossenschläge weit entfernt. Komm mit, ich zeig’s dir!“ Lisa war zwar ein bisschen ängstlich, aber doch viel zu neugierig, um jetzt einfach hier zu bleiben. Was sollte sie auch anderes machen, außer Filo war hier unter Wasser gerade Niemand, der ihr irgendwie helfen konnte zurück zu kommen.

So schwamm erst Filo und gleich dahinter Lisa ein kleines Stückchen durchs Wasser. Erst jetzt sah Lisa, was da eigentlich alles um sie herum war. Ein bisschen Seegras hier und da und ein paar größere Steine links und rechts von ihr. Aber so, wie die Sonne von oben ins Wasser schien, sah alles einfach nur wie im Traum aus. Es war eindeutig, dass über ihr die Wasseroberfläche und damit auch ein Ausweg aus dieser komischen Situation auf sie wartete, aber Lisa hatte keine Lust einfach nach oben zu schwimmen. Hier unten mit Filo auf Entdeckungstour zu gehen, war viel interessanter.

„Schau mal da vorne ist es schon! Da wo die blauen und roten Steine aufeinandertreffen, da ist mein Zuhause.“ „Wow, das sieht wunderschön aus.“ Filo hatte nicht gelogen, auch wenn die Farben nicht so kräftig sind, wie in Lisas Farbkasten, sind sie trotzdem wunderschön und zusammen ein buntes Spektakel. Klein aber fein sind die einzelnen Steinchen aufeinandergelegt und bilden damit eine kleine Höhle. „Und hier wohnst du zusammen mit deiner Familie?“, fragte Lisa den kleinen Fisch. Filo sah plötzlich ganz traurig aus. Er schüttelte den Kopf. „Nein, ich lebe hier alleine. Meine Familie habe ich schon vor Jahren flussaufwärts verloren und bin hier unten ganz alleine. Aber jetzt bist du ja da!“ Sein Gesicht wurde freudestrahlend. Jetzt machte Lisa große Augen, denn sie hatte nicht geahnt, dass Filo ganz alleine hier war. Sie fragte zögerlich: „Moment mal, ganz alleine? Aber was machst du denn den lieben langen Tag?“ „Ich schwimme meistens einfach durch die Gegend und warte darauf, dass sich ein anderer Fisch zu mir verirrt. Manchmal kommen auch Flusskrebse vorbei, aber die sind eher unfreundliche Tiere. Ansonsten genieße ich das funkeln der Steine im Licht. Heute, war ich noch nicht lange unterwegs, bis ich auf einmal dich gesehen hatte.“ „Das klingt nach einem ziemlich langweiligen Leben, wenn man immer auf andere Fische wartet. Wenn ich nicht gerade in der Schule bin, dann mache ich am liebsten etwas mit meiner besten Freundin Lea!“ Als Lisa den Satz beendet hatte, musste sie plötzlich wieder an Lea denken. Sie hatte schon ganz vergessen, dass ihre beste Freundin über Wasser auf sie wartet. Sie waren ja zusammen zum Bach gegangen und jetzt hatte Lisa sie schon fast vergessen gehabt. Ein schlechtes Gewissen machte sich in ihr breit. Irgendwie muss sie doch auch wieder zurückkommen. Sofort fragte sie Filo um Rat, er müsste ja wissen, wie man hier wieder wegkommt: „Ach Filo, ich habe meine Freundin Lea total vergessen. Ich würde gerne mit dir noch ein paar abenteuerliche Stunden hier unter Wasser verbringen, aber meine Freundin wartet da oben auf mich und ist bestimmt schon ganz traurig, dass ich ohne sie hier bin.“ „Hier wieder weg…hm. Ich weiß nicht, wie du wieder wegkommst. Ich weiß ja nicht einmal, wo du auf einmal herkamst.“ Den letzten Satz hat Lisa kaum noch verstanden. Stattdessen hört sie eine ganz leise Stimme rufen. Anfangs ist es undeutlich, aber es klingt fast so, als ob jemand ihren Namen ruft. „Pssst, Filo, ich höre was!“ Ja genau, es wurde deutlicher. Es war die Stimme ihrer Freundin, die „Lisa!“ rief.

Das Rufen wurde lauter und Filo immer leiser. Lisa fühlte sich wieder ganz und gar nicht gut. Sie konnte nicht einmal reden und das Atmen viel ihr auch sehr schwer. Ihre Umgebung wurde ganz dumpf. Das Wasser um sie herum war auch verschwunden. Was ist denn jetzt schon wieder passiert? Gerade war sie noch unter Wasser und jetzt auf einmal nicht mehr? Lisa hatte jetzt definitiv Angst und wollte nur noch zurück zu Lea. Sie kniff die Augen ganz feste zusammen. Als Lisa die Augen dieses Mal wieder aufmachte war sie wieder über Wasser. Erst ganz verschwommen und dann immer klarer hatte sie das Gesicht von Lea vor ihr. Leas Gesichtsausdruck war besorgt, erst langsam veränderte er sich zu einem Lächeln. „Lisa! Da bist du ja wieder! Ich dachte schon ich muss den Krankenwagen rufen.“ Die Stimme ihrer Freundin Lea war jetzt ganz deutlich. „Du bist in den Bach gefallen und musst dich wohl am Kopf gestoßen haben. Ich hatte solche Angst, als du nicht sofort aufgestanden bist. Ich hab dich aus dem Wasser gezogen und versucht dich aufzuwecken. Gott sei dank hast du direkt wieder die Augen aufgemacht. Ich glaube du warst fast eine Minute bewusstlos. Geht es dir gut? Tut dir was weh? Ich rufe sofort deine Mama an, die wird so schnell es geht kommen!“

Lea, die vor Lisa kniete, nahm ihr Telefon in die Hand und telefonierte los. Lisa konnte ihre Gedanken noch nicht wirklich ordnen. Sie soll ins Wasser gefallen sein? Aber woher kam dann Filo auf einmal und warum tat ihr Kopf nur so weh? Als Lea aufgelegt hat, sprach Lisa zum ersten Mal: „Lea, ich kann mich gar nicht dran erinnern hingefallen zu sein. Auf einmal war ich unter Wasser und habe einen wirklich netten Fisch namens Filo kennengelernt und als wir uns gerade gut unterhalten haben, bin ich auf einmal wieder hier gelandet.“ „Ach Lisa, du musst dir wirklich den Kopf angeschlagen haben. Ich kann dir versichern, dass du mit keinem Fisch geredet hast! Aber vielleicht hast du das ja nur geträumt. Ich bin nur froh, dass es dir gut geht, ich will gar nicht wissen, was hätte passieren können…“ Lisa musste grinsen. „Moment Mal Lea, du bist ins Wasser gegangen, um mich raus zuziehen. Also bist du ja doch endlich reingegangen?“ „Ach Lisa, natürlich, ich konnte dich doch nicht so da liegen lassen. Aber nochmal mache ich das ganz sicher nicht! Es war viel zu kalt und ich will nicht auch noch auf einem Stein ausrutschen…“ Lisa unterbrach ihre beste Freundin: „Lea, ist schon gut, ist schon gut. Dankeschön, dass du mich rausgezogen hast. Aber von meinem neuen kleinen Fischfreund kann ich dir nachher noch eine schöne Geschichte erzählen. Ist Mama gleich da?“ „Ja sie ist auf dem Weg. Ich glaube du könntest aus allem eine gute Geschichte machen…“